Skurrile englische Urlaubsorte

Wenn man als Ausländer an Urlaub in England denkt, dann kommen einem vermutlich zunächst Städtetrips nach London in den Sinn, ein paar Tage Cornwall auf den Spuren von Rosamunde Pilcher, Loch Ness in Schottland, Wandern im Lake District oder kulturelle Höhepunkte wie Hadrians Wall, Stonehenge etc. 
All diese Ziele sind auch wirklich eine Reise wert! Auch wenn das Wetter nicht ganz so beständig ist, kann  man trotzdem wunderbare Tage und Wochen in England verbringen, Schafe zählen, sich den Wind um die Nase wehen lassen und die Insel in all ihren Facetten genießen. Für all diese Dinge muss ich aber nicht wirklich Werbung machen, denn man findet all diese idyllischen Orte, kulturellen Stätten und Wanderwege in unzähligen Reiseführern. 
Stattdessen werde ich euch heute eine andere Art des Englandurlaubs vorstellen, nämlich die Orte, zu denen die Einheimischen in den Urlaub fahren, bzw. vor knapp 60 Jahren gefahren sind, als Billigflieger noch nicht in Mode waren. Bereit für einen Ausflug zu einem der skurrilsten Orte, an denen ich bisher in England war? Dann mal los!

Letztes Wochenende sind Tom und ich von Liverpool nach Blackpool gefahren um dort in den Zoo zu gehen. Blackpool war für mich bis dato ein unbeschriebenes Blatt, eine Stadt an der Westküste, ein wenig nördlich von Liverpool. Der Zoo ist auf jeden Fall empfehlenswert! Viele Tiere, große Gehege und zahlreiche Picknickbänke um ein gutes Vesperle zu genießen. Aber ich will nicht lange beim Zoo verweilen, denn was mich danach erwartete, hat mich schließlich zu diesem Artikel verleitet: Blackpools Strandpromenade - Pleasure Beach! 


Mit dem Bus ging es vom Zoo zum Blackpool Tower, einem Stahlturm, der einen kleinen Eifelturm darstellen soll. Schon der Anblick dieses rostroten Gebildes ist etwas befremdlich, denn wirklich schön ist es nicht! Ein weiteres Mysterium stellten die unzähligen kleinen "Hotels" dar, an denen der Bus auf dem Weg zum Pleasure Beach vorbeifuhr. Fast jedes Reihenhaus bezeichnete sich als ein solches. In Stratford-upon-Avon hatte ich ähnlich aneinandergereite B&Bs gesehen, allerdings handelt es sich bei diesem Ort ja auch um eine Pilgerstätte für alle Shakespeare-Liebhaber oder Schul - und Uniexkursionen. Hatte Shakespeare auch einen Abstecher nach Blackpool gemacht!? Brauchte es deshalb so viele kleine, einfache Hotels? 

Glücklicherweise habe ich ja immer meinen Engländer parat, der mir die britische Welt erklärt: Blackpool ist ein beliebter Urlaubsort, a holiday resortfür die Nordengländer. Ist es!?! Seltsam, noch nie davon gehört! Aber gut, nicht jeder Ausländer, der nach Deutschland kommt, hat vom schönen Warnemünde und seinen Strandkörben an der Ostsee gehört! Meine Erwartungen an einen schönen Strand mit Promenade voller kleiner süßer Läden, wie wir sie bereits in Cornwall erlebt hatten, wuchs mit jedem zurückgelegtem Meter in Richtung Meer. 

Was soll ich sagen?! Meine Erwartungen wurden auf eine schockierende Art und Weise ...nun ja...übertroffen!? Wie wir die Promenade betraten blieb mir einfach nur der Mund offen stehen. An jeder Ecke holte ich die Kamera raus um diesen Urlaubsort in seiner - für mich - einzigartigen und faszinierenden Besonderheit festzuhalten. Mit jedem Schritt wuchs mein Schock über diesen Ort, der der englischen Arbeiterklasse des 19. Jahrhunderts als Ferienziel gedient hatte und anscheinend auch heute noch den ein oder anderen Besucher anzieht. 


Dort wo ich süße kleine Läden erwartet hatte, reihen sich bunte, leicht herruntergekommene Spielhallen, blinkende Fish&Chips Läden und kitschige Cinderella-Pferdekutschen. Entlang der Strandpromenade führen Straßenbahnschienen, auf denen sowohl moderne Trams als auch doppelstöckige Straßentrams aus den 50/60er Jahren verkehren. Wie mir Wikipedia verrät, sind diese "einmalig in Europa"! Tatsächlich sahen wir auch genügend Menschen, die in dieser vom Tourismus aufgegriffenen historischen Straßenbahn saßen und zwischen Strand und Spielhallen entlangtingelten. Selbst die ein oder andere pinke, kürbisförmige Pferdekutsche war besetzt! 


Es scheint, als erlebe dieses ehemalige Urlaubsresort, trotz seinen veralteten Gebäuden seine zweite Blüte. Denn, wie mich Tom aufklärte, gerieten solche Strandorte mit Beginn des bezahlbaren Flugverkehrs und dem Einführen von Pauschalreisen, zunehmend in Vergessenheit. Das erklärt auch die mehr oder weniger heruntergekommenen Gebäude, Fahrgeschäfte und Läden, die sich nicht nur an der Promenade entlangreihen, sondern ebenfalls auf dem Pier zu finden sind. 



Hier dreht sich außerdem ein Riesenrad, es gibt Losstände und kleine Kiosks, die 'Rock' verkaufen. Es handelt sich hierbei um lange Zuckerstangen, die mit Mustern oder dem Namen des Ortes versehen sind. Diese, für englische Strandurlaubsorte typische Süßigkeit, wird in sämtlichen Geschmackssorten angeboten, von Pfefferminz bis Pina Colada und scheint ebenfalls genügend Käufer zu finden. 

Das mag wahrscheinlich auch daran liegen, dass die 10km lange Promenade von September bis November bei den Blackpool Illuminations mit über 1 Millionen Lichtern ausgestattet wird. Leider mussten wir vor Einbruch der Dunkelheit zurück nach Liverpool düsen und ich konnte das Lichterspektakel nicht sehen - eventuell ein andermal!

Fazit:
Solltet ihr das nächste Mal einen Englandurlaub planen, so schaut doch mal in Blackpool vorbei oder in einem anderen holiday resort, wie zum Beispiel Brighton. Lasst euch vom Rummel der Fahrgeschäfte und der Jahrmarktsmusik berieseln, steigt ein in eine Gefühlsachterbahn, die euch in Schock, Verwunderung und Faszination versetzen wird und kauft euch zum Schluss ein Stück Rock, Fish&Chips oder ein Ticket für die historische doppelstöckige Straßenbahn. Dann, meine lieben Leser, habt ihr wirklich ein Stück britische Kultur erlebt! 




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